Wie ich schon berichtet habe, bin ich seit einigen Jahren von einem Tinnitus (Ohrgeräusch) betroffen. Ich habe mich an das Geräusch gewöhnt, es ist nicht sehr laut und stört mich kaum. Daher war der Tinnitus für mich auch nicht der Grund um mit der kieferorthopädischen Behandlung mit dem Herbstscharnier zu beginnen - das war eindeutig der sich immer weiter verschlechternde Schiefstand meiner Schneidezähne.

Tinnitus in einigen Fällen durch Kiefergelenkfehlstellungen verursacht

Da es jedoch einige Hinweise darauf gibt, dass ein Tinnitus durch eine Fehlstellung des Kiefers verursacht sein kann, ist es für mich jetzt interessant zu sehen, ob das Ohrengeräusch tatsächlich durch die Korrektur meines Bisses mit dem Herbstscharnier verschwindet. Folgende Aussagen habe ich dazu im Internet gefunden:

Prof. Dr Koeck (UNI-Bonn) Tinnitus kann durch Kieferfehlstellung verursacht sein, die mit einer Beißschiene korrigiert wird - angeblich mit 75% Erfolgsaussicht (bei 22 behandelten Patienten) (Link Pressemitteilung, Link Uni-Bonn). Allerdings berichten viele Betroffene in Foren, dass eine Schiene nichts gebracht hat (Link zu einem Forum). Andere Ärzte sagen, dass der Kiefer nur bei 2 bis 5% das Ohrgeräusch verursacht und dass nur dann eine Schiene hilft (hier ein Erfolgsbericht).

Mein Kieferorthopäde meinte, dass das Herbstscharnier zwar die Kieferstellung korrigiert, dass der Tinnitus dadurch aber nur manchmal verschwindet.

Der Theorie nach soll der Zusammenhang etwa wie folgt sein:

  1. Kieferfehlstellung führt zu Zähneknirschen und Muskelverspannungen am Kiefer, was (Kopf-)Schmerzen und Fehlhaltungen verursacht
  2. Stress kann die Schmerzen noch verschlimmern, weil er eine weitere Ursache für das nächtliche Zähneknirschen sein kann
  3. Auch die Halswirbel verschieben sich (um die Fehlstellung auszugleichen)
  4. Es kommt zu Nackenverspannungen und weiteren Kopfschmerzen
  5. Der erhöht Muskeltonus sowie das schiefe Kiefergelenk stören die Versorgung des Innenohrs mit Blut und Sauerstoff sowie u.U. auch die Nervenzellen (Innenohr und Kiefergelenk liegen sehr dich beieinander und sind nur durch eine dünne Haut getrennt)
Einen durch das Kiefergelenk verursachten Tinnitus würde man dann an folgenden Kriterien erkennen:
  • Kiefergelenksgeräusche (als Zeichen für eine Kiefergelenksfehlstellung
  • Verspannungskopfschmerzen
  • Tinnitus verändert sich, wenn der Kiefer nach vorne oder hinten geschoben wird
Viele Behandlungsansätze - wenige Erfolge

Daneben gibt es unzählige andere Ursachen für einen Tinnitus (weswegen Tinnitus auch nicht als eigenständige Krankheit angesehen wird, sondern nur als ein Symptom. Ein Tinnitus kann z.B. auch verursacht werden durch:
  • Ohrenschmalz
  • Mittelohrentzündung
  • Lärm ( Discothek, Silvesterböller)
  • Hörsturz
  • Verletzung des Trommelfells
Interessant ist, dass mittlerweile weltweit viele Behandlungsansätze (Blutverdünnung, Infusionen, Vitamine, Sauerstoffzelte, Überlagerung mit anderen Geräuschen, Retraining, Durchtrennung des Hörnervs etc.) ausprobiert wurden, jedoch keiner durchschlagenden Erfolg zu haben scheint.

Das Rauschen einer fernen Straße

Bei mir hat der Tinnitus etwa vor 15 Jahren begonnen (zwischen 1995 und 1997). Ich lebte als Student in Berlin Friedrichshain an einer sehr belebten Straße (auch nachts). Unter uns war noch ein Laden mit einer sehr lauten Kühltruhe. Es war also immer laut und vom Tinnitus habe ich daher so lang nichts gemerkt, bis wir einmal Winterurlaub in Norwegen gemacht haben. Ich stand im verschneiten Wald und wunderte mich über die Straßengeräusche, die ich in der Ferne hörte, obwohl ich wusste, dass es weit und breit keine Straße gab. Es dauerte etwas, bis ich begriff, dass das ein Tinnitus war.

So hört sich der Tinnitus auch heute noch bei mir an: Entfernter Lärm einer weit entfernten Autobahn. An guten Tagen ist die Autobahn weiter weg, an schlechten Tagen höre ich das Rauschen als Brummen. Aber immer nur auf dem rechten Ohr.

Natürlich beobachtet man seinen Tinnitus und einiges spricht dafür, dass er durch eine Kiefergelenkfehlstellung verursacht sein könnte:
  • Der Tinnitus ist auf dem rechten Ohr. Auf der rechten Seite stehen die Zähne auch besonders schief, weswegen ich den Kiefer rechts immer weiter nach hinten nehmen musste
  • Auf der rechten Seite sind auch meine Kiefermuskeln deutlich verspannt und schmerzen, wenn man sie massiert
  • Wenn ich schlecht schlafe, viel mit den Zähnen knirsche und morgens mit Kopfschmerzen und einem Druckgefühl aufwache, ist auch der Tinnitus lauter.
Aber natürlich könnte der Tinnitus auch andere Ursachen haben:
  • Als Kind hatte ich eine schlimme Mittelohrentzündung auf der rechten Seite. Seitdem ist das rechte Ohr immer empfindlicher gewesen.
  • Das rechte Ohr war auch als Kind immer schneller verstopft und musst dann von einem Arzt durchgepustet werden.
An manchen Tagen wie abgeschaltet

Ich höre das Geräusch praktisch immer. Aber an manchen (seltenen) Tagen ist es auch weg wie abgeschaltet. Das sind allerdings meistens Tage, an denen ich große Kopfschmerzen und Muskelverspannungen aufgrund einer Virusinfektion (Grippe) habe. Es ist dann fast so, als ob die Schmerzen und Verspannungen das Geräusch ausschalten können - vielleicht durch einen stark veränderten Muskeltonus.

Eine andere Beobachtung ist, dass sich das Geräusch bei Luftdruckänderungen ebenfalls zeitweise verschwindet, wenn ich z.B. mit dem Auto in die Berge fahre oder im Flugzeug fliege.

Bisheriger Behandlungserfolg mit dem Herbstscharnier

Nun trage ich seit sieben Monaten das Herbstscharnier, das mein Kieferfehlstellung korrigieren und den Unterkiefer nach vorne holen soll. Dabei wirken enorme Kräfte durch die Stäbe auch die Backenzähne. Im Prinzip funktioniert es so: Das Herbstscharnier holt den Unterkiefer nach vorne. Der Unterkiefer will aber beim Kauen, Beißen und vor allem nachts wieder in seine alte Position zurück. Das wird durch die Stäbe verhindert. Der Unterkiefer drückt auf die Stäbe und sie schieben langsam die Backenzähne zurück, wodurch der Kiefer dann nach ca. 1 bis 2 Wochen doch (fast) wieder in seiner alten Position zurück ist. Dann werden die Stäbe verlängert und es geht von vorne los.

Interessant ist nun, dass nach dem Einsetzen des Herbstscharnier, mein Tinnitus fast vier Wochen lang vollständig verschwunden war, dann aber wieder zurückkam. Seitdem ist das Geräusch ungefähr so laut wie vor dem Einsetzen des Herbstscharniers (vielleicht etwas leiser). Ich erkläre mir das zeitweise Verschwinden des Tinnitus so:
  • Beim Einsetzen des Herbstscharniers wurde der Unterkiefer wirklich sehr weit nach vorne geholt. Der Druck auf das Innenohr verschwand. Danach rutschte der Unterkiefer wieder langsam zurück in die alte Position und das Ohrgeräusch kam wieder.
  • Durch das Einsetzen des Herbstscharnier veränderte sich der Muskeltonus anfänglich so stark, dass das Geräusch zeitweise verschwand (wie bei einer starken Virusinfektion - siehe oben)
Da das Herbstscharnier noch etwa sechs Monate im Mund verbeibt und ich danach eine Positioner-Schiene bekomme, kann sich noch einiges tun. Ich werde an dieser Stelle ausführlich darüber berichten...