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Frage: Jürgen Klopp hat in einem Interview mit ran.de gesagt „Luca Toni verdient in München soviel, wie bei mir 15 Spieler zusammen“; muss man angesichts solch finanzieller Kräfteverhältnisse auch schon mal hinnehmen, dass man gegen die Bayern mit 1:5 verliert, wie im Hinspel?
Ricken: Ein 1:5, noch dazu zuhause, akzeptiert man nie! In diesem Spiel war der BVB 30 Minuten lang zunächst die klar bessere Mannschaft. Dann aber sind es auch schon mal Kleinigkeiten, die den Ausschlag geben. Ich entsinne mich noch gut, dass Schweinsteiger gegen Tinga nachgetreten hatte, eigentlich eine klare rote Karte. Letztlich wurde das aber nicht geahndet, so dass er vor der Halbzeit noch die Flanke zum Ausgleich geben und nach der Pause das 2:1 erzielen konnte. Wer weiß also schon, wie dieses Spiel geendet hätte, wenn Schweinsteiger gar nicht mehr auf dem Feld gewesen wäre?!
Frage: Sie haben die Champions League 1997 angesprochen, im selben Jahr holte die Borussia auch noch den Weltpokal und war damit de facto die beste Vereinsmannschaft der Welt; wie schwer fällt es heute zu akzeptieren, dass zurzeit die Bundesligaspitze zwar in Sichtweite, aber letztlich nicht erreichbar ist?
Ricken: Wir reden über einen Zeitraum von 12, 13 Jahren, in dem diese Entwicklung vonstatten gegangen und in dem einiges passiert ist. In der Weltpokal- und CL-Mannschaft standen damals Spieler wie César, Sousa, Reuter, Kohler, Riedle, Chapuisat oder auch Matthias Sammer, der „Europas Fußballer des Jahres“ war. Wollte man eine solche Elf heute zusammenkaufen, dann wäre man wahrscheinlich mehr als 300 Millionen Euro los.
Frage: Heute in jeder Hinsicht undenkbar in Dortmund...
Ricken: Natürlich, ich erinnere nur daran, dass der Klub 2005 kurz vor der Insolvenz stand. Aber ich glaube, dass unsere Fans längst auch den Status Quo genießen. Es gibt eine riesige Identifikation zwischen Fans und Spielern, und das war hier längst nicht immer so. Wie groß Euphorie und Identifikation mittlerweile wieder sind, zeigt die Tatsache, dass auch nach dem schlechten Saisonstart mit nur sechs Punkten aus sieben Spielen und dem Pokal-Aus bei einem Drittligisten, die Stimmung nicht völlig gekippt ist. Trotzdem wäre es natürlich schön, wenn wir endlich wieder einmal im Europa-Pokal vertreten wären.
Frage: Sollte es in dieser Saison vielleicht sogar mit der Champions League klappen, käme das für die junge BVB-Elf zu früh, bzw. kann so etwas überhaupt zu früh kommen?
Ricken: Uns hat in den letzten zwei, drei, vier Jahren ausgezeichnet, dass man hier keine Luftschlösser baut, sondern alles realistisch einschätzt. Ein konkretes Ziel hat man daher ganz bewusst nicht formuliert. Nichtsdestotrotz steht doch außer Frage, dass eine Europa-Pokal-Teilnahme in jeder Hinsicht wünschenswert wäre, für die Fans, aber auch für die Struktur der Mannschaft. Weil man dann dank der zu erwartenden Einnahmen vielleicht zwei, drei gestandene Spieler holen würde, die die Jungen führen könnten.
Frage: Der BVB hat 2005, nach der schon angesprochenen, drohenden Insolvenz, aus der Not eine Tugend gemacht und gezielt auf junge Talente gesetzt; wie bewerten Sie die Entwicklung der Mannschaft in den letzten Jahren?
Ricken: „Aus der Not eine Tugend gemacht“ würde ich nicht hundertprozentig unterschreiben, denn man hat auch in den letzten Jahren den ein oder anderen Euro in die Hand genommen,...
Frage: ...etwa für Hummels, Barrios oder Subotic...
Ricken: ...hat aber darauf geachtet, dass man nicht ältere, satte Profis holt, die hier zum Ende ihrer Karriere noch mal gutes Geld verdienen wollen, sondern man hat vielmehr in junge, qualitativ hochwertige Spieler mit Entwicklungspotenzial investiert, die noch eine Wertsteigerung versprechen. Siehe die Namen, die Sie gerade genannt haben.
Frage: Und dann gibt es noch Nuri Sahin...
Ricken: Nuri hat eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Er hat hier als 16-Jähriger begonnen, ist dann in ein Loch gefallen, wurde für ein Jahr nach Rotterdam ausgeliehen und war damit ein wenig aus dem Blickfeld verschwunden. Dann kommt er zurück, niemand hat ihn wirklich auf der Rechnung, er aber nimmt die Situation an und ist heute Herz und Hirn dieser Mannschaft. Nuri geht voran, er zeigt eine sehr große Präsenz im Mittelfeld, und das alles mit gerade einmal 21 Jahren.




