Strahlentherapie
Von Morbus Dupuytren sind deutschlandweit nach Angaben der DEGRO rund 1,9 Millionen Menschen betroffen. Obgleich sich die ersten Symptome der Erkrankung, knoten- oder strangartige Verhärtungen, relativ früh zeigen, sind die Behandlungsmöglichkeiten bislang sehr eingeschränkt. Ist die Bewegungsfähigkeit der Finger bereits stark eingeschränkt, bleibt meist nur eine Operation als letztes Mittel, bei der das wuchernde Gewebe entfernt wird. Die dabei entstehenden Narben können jedoch ihrerseits ebenfalls die Beweglichkeit der Finger beeinträchtigen. Außerdem kann die Erkrankung jederzeit wieder zum Ausbruch kommen.
Die Wissenschaftler um Nicolas Betz von der Universitätsklinik Erlangen haben nun in ihren Studien gezeigt, dass eine Bestrahlung der betroffenen Gliedmaßen die Krankheit stoppen und ihr sogar entgegenwirken kann - und zwar umso besser, je früher die Therapie zum Einsatz kam. Von den insgesamt 208 von den Forschern behandelten Händen waren bei bis zu 87 Prozent der Patienten eine Stabilisierung oder sogar eine Verbesserung der Fingerbeweglichkeit feststellbar.
Zudem können nun erstmals Angaben über langfristige Nebenwirkungen der Bestrahlung gemacht werden. Das wichtigste Ergebnis: Die Befürchtungen, dass die Therapie zu schweren Spätschäden bis hin zu Hautkrebs führen könnte, bestätigten sich nicht. Auch nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 13 Jahren trat kein einziger Fall einer solchen Erkrankung auf. Bei zwei Prozent der Patienten sei eine sogenannte Strahlendermatitis aufgetreten, die jedoch längstens ein Jahr andauerte. Zwar konnten die Wissenschaftler bei rund einem Drittel der Probanden leichte Veränderungen der Haut und des Unterhautfettgewebes feststellen, was in 23 Prozent der Fälle zu trockenerer Haut führte, in sieben Prozent zu einer dünneren Haut mit durchscheinenden Blutgefäßen. Nach Einschätzung der Wissenschaftler sind die leichten Nebenwirkungen jedoch das kleinere Übel im Vergleich zu einer funktionsunfähigen Hand.
Viele Krebserkrankungen an der Prostata können auch ohne eine Operation geheilt werden. So ist die Strahlentherapie im Frühstadium der Erkrankung eine gleichwertige Alternative zum chirurgischen Eingriff. Dies geht aus der neuen S3-Leitlinie hervor.
„Prostatakrebs ist heilbar, solange der Tumor auf die Prostataregion begrenzt ist“, sagt DEGRO-Präsidentin Professor Dr. med. Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin der Abteilung für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Die bevorzugte Behandlung war lange die sogenannte radikale Prostatektomie. Hierbei entfernen die Ärzte die gesamte Vorsteherdrüse mit den benachbarten Samenblasen. „Mit der Strahlentherapie besteht seit langem die Möglichkeit, den Tumor auch ohne Operation zu beseitigen“, erklärt Engenhart-Cabillic. „Hierfür sprechen nicht nur die guten Erfolgsaussichten der Strahlentherapie, sondern auch die geringere Rate an Komplikationen und Nebenwirkungen. Impotenz und Inkontinenz treten viel seltener auf als nach einer Operation.“




